One guide, One vision: How John Forrest Shaped Heli-skiing in Northern BC
Buried in cold smoke and loving every second of it.
Spend a day on snow with John Forrest, and you can feel the forty years he’s put into heli-skiing in northern British Columbia. As the founder of Northern Escape Heli-Skiing, he still jumps in the front seat whenever he can, hunting for the light, cold smoke that stacks up around Terrace.
Mountain Lodge is where that lifetime of guiding really shows. Perched deep in the forest and only accessible by air, it runs with just two groups of five guests sharing one helicopter, so the flying feels tight, efficient, and focused on skiing rather than waiting. On storm days, dedicated snowcats keep guests lapping sheltered tree lines while other operations sit inside, watching it dump.
Where the day ends in firelight and the next one begins in fresh snow. Northern Escape Mountain Lodge, deep in the Skeenas.
Runs like Rabbit Hole are classic John: a bold cornice drop, a straight-line chute, then big, confident arcs through soft powder where the terrain reads like a familiar map. As his business partner Ted Allsopp likes to say,
Heli-skiing is the coolest thing you can do on this planet without taking your clothes off. Ted Allsopp
For our German-speaking guests and partners, the full original article now follows in German, just as it was first published.
HELISKI-ABENTEUER IN BRITISH COLUMBIA
John Forrest hat Northern Escape zu einem der führenden Heliski-Veranstalter in der kanadischen Provinz British Columbia gemacht. Inzwischen blickt er auf 40 Jahre Branchenerfahrung zurück. Mit der exklusiven Mountain Lodge hat er sich vor einigen Jahren einen Traum erfüllt. Begleitet uns zu einem Heliski-Abenteuer an einem ganz besonderen Ort.
Arnold Schwarzeneggers legendäre Worte in „Terminator“ hallen nach, wenn man John Forrest beim Guiden beobachtet: „I’ll be back.“ Der Gründer, Präsident und Geschäftsführer von Northern Escape Heli-Skiing (NEH) müsste längst nicht mehr bis zu 20-mal am Tag extrabreite und deshalb schwere Powder-Ski in den Lastenkorb des Hubschraubers wuchten, was niemandes Wirbelsäule auf Dauer goutiert. Aber es macht ihm einfach noch immer verdammt viel Spaß, hier draußen in diesem Winterwunderland unterwegs zu sein. Und deshalb tauscht er den Platz im Büro so oft es geht gegen den Sitz neben dem Piloten im Chopper.
RODEO-RITT DURCHS KANINCHENLOCH
Für diesen Vormittag hat sich John den Run Rabbit Hole ausgeguckt, weil der Schnee auf dieser Abfahrt oft besonders fluffig ist. Allein: Der Name kommt nicht von ungefähr. Das Kaninchenloch heißt so, weil oben am Gipfelplateau bei der Einfahrt in den Hang eine mehrere Meter hohe Wechte zu überwinden ist. Abrutschen funktioniert nicht, weil die Kante überhängend und der Trichter zu schmal ist. Es hilft nur ein beherzter Sprung, gefolgt von einer Schussfahrt, die einem Rodeo-Ritt gleicht. John macht vor, wie es geht. Er steht den Stunt problemlos und rattert ins offene Gelände, wo der Schnee wieder weicher ist. Nicht allen seinen Gästen gelingt das ähnlich routiniert, multiple Purzelbäume sind das Ergebnis. Als Entschädigung für den einen oder anderen blauen Fleck gibt es dafür eine Abfahrt, die mit dem Adjektiv „traumhaft“ nur unzureichend beschrieben ist.
Große Turns in die weiße Pracht ziehend, nimmt John den ideal geneigten Hang unter die fetten Tiefschneelatten. In die fast kniehohe Pulverauflage zeichnet er eine Line, die so ästhetisch perfekt ist wie das Monogramm eines königlichen Zuckerbäckers auf der Hochzeitstorte für seine einzige Tochter. Der Profi liest mit in Jahrzehnten geschulten Augen das Gelände wie andere in einem Buch. Weiter unten im lichten Wald, wo der Champagne Powder noch tiefer ist, wird das erst richtig deutlich. Für ihn sind die Bäume keine Hindernisse, sondern natürliche Slalomstangen, mit denen man wunderbar spielen kann. John hüpft förmlich von einem Schneekissen zum nächsten, die Flocken hüllen ihn in eine weiße, staubende Wolke. Vielleicht schon morgen wird seine Spur wieder zugeweht oder vom Wind verweht sein. Und vielleicht die einzige der ganzen Saison bleiben. Keiner denkt ans Aufhören an diesem perfekten Tag, obwohl am Nachmittag die Oberschenkel zu brennen beginnen.
Die jetzt tiefer stehende Sonne hüllt die Bergketten in ein mildes Abendlicht, das die Schneekristalle wie Diamanten funkeln lässt. „Einer geht noch“, sagt John mit hochgerecktem Daumen und grinst wie ein Junge, der sich einfach nicht losreißen kann von seinem Spielplatz. Die feinen Häppchen am Après-Ski-Buffet überleben heute etwas länger als sonst. Und auch das Jacuzzi muss etwas länger auf Badegäste warten. Als wir kurz vor Sonnenuntergang dann doch in das heiße Blubber-Wasser tauchen und den Blick auf die gegenüberliegenden Bergketten und den zugefrorenen Kalum Lake unter uns genießen, wo sich stets Schwäne und manchmal auch Elche zeigen, wissen wir mal wieder, warum sich die lange Reise nach British Columbia, ins gelobte Land und Heli-Paradies, eben doch lohnt.
HELI-PARADIES IN VÖLLIGER ABGESCHIEDENHEIT
Später am Abend sitzen wir mit John vor dem Kaminfeuer seiner Mountain Lodge und lassen uns ein Glas Rotwein aus dem Okanagan Valley im Süden der Provinz schmecken. Er liebt diesen Platz: „Wenn ich nach einem fantastischen Heliski-Tag mit einem Drink in der Hand durch die bodentiefen, hohen Fenster nach draußen schaue, kann ich mich zurückzulehnen und perfekt entspannen.“ Die sechs Millionen kanadische Dollar teure Mountain Lodge ist sein ganzer Stolz, denn es ist die erste, die er nicht angemietet, sondern von Grund auf selbst geplant und gebaut hat. Während sich die beiden anderen ebenfalls sehr komfortablen Unterkünfte – die Skeena Spey Riverside Wilderness & Lodge und die rustikale Yellow Cedar Lodge – im Tal des Skeena River und in Sichtweite von Straßen befinden, liegt die Mountain Lodge mit ihrem modernen, reduzierten Design umgeben von Wald und mit Blick auf mehrere Seen in völliger Abgeschiedenheit auf einem riesigen, 20 Hektar großen Grundstück. Nachbarn? Sind hier ganz weit weg. Die maximal zehn Gäste erreichen die Lodge per Hubschrauber von der Kleinstadt Terrace aus, wo sich der Flughafen befindet, in nur 15 Minuten. Bequemer kann man nicht anreisen, zumal der Heli direkt vor der Lodge landet.
Man merkt, dass hier ein Profi am Werk war und mitgedacht hat. Die Bar, die offene Küche, der Materialraum mit Skischuhtrocknern und Ablagen für die Lawinen-Ausrüstung – alles kurze Wege. Um ins Jacuzzi zu steigen, muss man nur dreimal umfallen. Wer in der Mountain Lodge eincheckt, fühlt sich wie in einem großen Wohnzimmer. Viele Mitarbeiter-Namen muss man sich nicht merken. Jeder lernt jeden und jede bereits am ersten Abend kennen. Da ist Mariana aus Estland, die aufdeckt und serviert, morgens die Yoga-Stunde moderiert und nachmittags müde Waden massiert. Sie hat sich hier verliebt, will bleiben. Da ist Levi, der selbstbewusst-forsche Guide aus Kelowna, der morgens die Gäste über Wetter und Lawinenlage aufklärt und auch einem schwerreichen Gast schon mal die Leviten liest, wenn der sich nicht an seine Anweisungen im Gelände hält.
HUNDERTE NEUE RUNS
Es ist ein starkes und harmonisches Team, das John zusammengestellt hat. Eines, das den Gästen ein exklusives Heliski-Erlebnis bietet. Bei nur zwei Gruppen à fünf Skifahrer muss man praktisch nie auf den Chopper warten. Die „Libelle“ steht fast immer schon am Pick-up, sodass bei guten Bedingungen ordentlich Höhenmeter zusammenkommen. „Bereits 2018, im Winter vor der Eröffnung, hatten wir Dutzende neuer Runs erkundet“, erzählt John. „Früher konnten wir diese Gebirgszüge nur auf sehr langen und damit unrentablen Flügen erreichen. Jetzt finden wir hier quasi vor der Haustür einen wunderbaren Mix aus Abfahrten im alpinen, vergletscherten Gelände mit großen Bowls und aus Waldabfahrten.“ In Summe kamen so 300 neue Runs hinzu, die Namen tragen wie Mount Alice, Line King, Wrong Hole, Face Shot, Heaven Store – oder eben Rabbit Hole. Ganz erschlossen ist damit das riesige Lizenz-Areal in den Skeena Mountains, in dem John Heliski anbieten darf, noch immer nicht. Mit etwa 5.500 Quadratkilometern ist es gut halb so groß wie Graubünden.
Unter anderem wegen dieser enormen Ausdehnung fliegt Northern Escape mit einem Koala des italienischen Herstellers Agusta. Wer bis dato eine Bell 212 oder einen A-Star von Eurocopter gewohnt war, muss sich da etwas umstellen. Denn der Koala gilt zwar als der Lamborghini in dieser Gewichtsklasse, weil er extrem PS-stark und dadurch schnell ist und so die Kleingruppen die Runs sehr zügig erreichen – dafür macht er aber einen Höllenlärm und rüttelt einen kräftig durch.
SCHLECHTWETTER-ALTERNATIVE CAT-SKIING
John lacht, wenn man ihn darauf anspricht und weist darauf hin, dass ein Koala noch andere Vorteile bietet: Die Lawinenrucksäcke wandern nämlich nicht in den Lastenkorb, in dem die Ski transportiert werden. Sie müssen vielmehr von den Gästen in den Heli geladen werden. „Das spart mir ein bisschen Arbeit“, meint er augenzwinkernd. Er ist eben schon ein alter Hase in der Branche, mit knapp 60 ein echter Elder Statesman, dem selbst Mitbewerber großen Respekt zollen und auf seinen Rat hören. Er war gerade einmal 19, als er bei einem Cat-Ski-Unternehmen in Nelson anheuerte, im Süden von British Columbia. Gleich in der folgenden Saison wechselte er zu Tyax Heliskiing und war sofort angefixt von dem mondänen Ambiente, das Heliski-Lodges umweht. Es folgten zehn Jahre als Guide bei Last Frontier, ehe er beschloss, selbst Unternehmer zu werden. Er pachtete das Gebiet (die „Tenure“) nahe Terrace, das bereits existierte, aber bis dato nie für Heliskiing genutzt worden war. Um sich vom Markt zu unterscheiden, entschied er, ein Cat-Skiing-Programm als Schlechtwetter-Versicherung anzubieten, das im Preis inbegriffen ist.
Der große Vorteil: Die beiden Schneeraupen von Bombardier stehen immer bereit, wenn man sie braucht, und sie werden nicht etwa von anderen Cat-Ski-Gästen belegt. Zudem ist das Revier von der Lodge aus in wenigen Minuten zu erreichen. Wer diese „Cat-Land“ genannte Option abfällig als „Heliskiing für Arme“ verspottet, wie es einige Extra-Wohlhabende tun, muss schon ziemlich hochnäsig sein. Denn „Cat-Land“ ist immerhin 30 Quadratkilometer groß und bietet mehr als 50 Kilometer an Waldabfahrten mit durchschnittlich 600 Höhenmetern. Klärt das Wetter während des Cat-Skiing auf, kommt der Heli vorbei und fliegt die Gruppe direkt eine Etage höher.
Wer solche Traumtage einmal selbst erlebt hat, versteht, dass Heliskiing süchtig machen kann.
EIN GANZ BESONDERER ORT
Gut 40 Jahre ist John jetzt im Geschäft. Wenn man ihn fragt, welcher Aspekt sich über die Zeit am stärksten verändert hat, dann kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Die Sicherheit! Jedes negative Erlebnis hat einen Lerneffekt zur Folge. Früher gab es keine Airbags, die Verschütteten-Suchgeräte waren wenig ausgereift, und wir nutzten keine Funkgeräte. Zudem gab es wenig Info-Austausch mit den anderen Heliski-Veranstaltern.“ Trotzdem bleibt Heliskiing ein nicht ganz ungefährlicher Sport. Im Winter 2023/24 stürzte ein von NEH geleaster Hubschrauber ab, der Pilot, ein Guide und zwei Gäste starben. Bis heute ist die Ursache nicht im Detail geklärt. Leute, die John nahestehen, erzählen, wie sehr ihm der Unfall an die Nieren gegangen sei.
Trotzdem liebt John seinen Beruf, der ihm zur Berufung geworden ist. „Terrace ist eine der Regionen in British Columbia mit den größten Schneemengen. Gleichzeitig ist der Schneedeckenaufbau so nahe am Meer in der Regel stabiler und lässt steilere Abfahrten zu. Wir dürfen hier an einem ganz besonderen Ort arbeiten.“ Ein bisschen Sorgen macht ihm nur, dass das Wetter immer extremer werde, die Vorhersagen aber nicht unbedingt besser. Andere Dinge änderten sich dagegen nie. Sämtliche Versuche, mehr Frauen für Heliskiing zu begeistern, seien verpufft, trotz spezieller „Womens’ Weeks“. Das Verhältnis bleibe beharrlich bei 9:1. Und trotz der vielen neuen Reichen vom Silicon Valley bis Indien und China erlebe das Skifahren mithilfe von Hubschraubern keinen Boom. Dem Branchenverband HeliCat Canada zufolge wachse der Markt nur langsam und komme aktuell auf rund 120.000 Heliski-Tage pro Winter.
Während das Feuer im Kamin langsam erlischt und ein Baummarder frech durch die Scheiben linst, geht über den Bergketten der Mond auf. Draußen auf der Terrasse riecht es nach feuchtem Moos und Nadelwald. Kein Geräusch stört die Idylle, eine magische Stimmung. Vollkommen unbeschwert können diese jedoch nur die Gäste genießen. John denkt bereits an den folgenden Morgen. Spätestens um halb sieben wird er für das Guide-Meeting im Büro sitzen und die Strategie für den Tag besprechen. Es ist eine komplexe Aufgabe. Wetter, Lawinenlage, Treibstoff-Management, Schneehöhen und das skifahrerische Können der Gruppen müssen berücksichtigt und miteinander verrechnet werden. John nimmt diese Herausforderung gerne an. Ted Allsopp, einer seiner Geschäftspartner, sagte einmal: „Heliski ist die coolste Sache, die man auf diesem Planeten machen kann, ohne sich auszuziehen.“
Die Sicherheit steht für uns immer an erster Stelle. John Forrest, Northern Escape Heli-Skiing